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Welche Lehren zieht die Schweiz aus dem Credit-Suisse-Debakel?

11.04.2025 – Susanne Wenger

Die Führung der Credit Suisse ist für den Untergang der Bank verantwortlich, doch die Behörden machten bei der Aufsicht Fehler. So lautet das Fazit einer parlamentarischen Untersuchung. Nun wird um die strengere Regulierung der fusionierten Grossbank UBS gerungen.

Mitte März 2023 blickte die Welt nervös auf den Finanzplatz Schweiz: Die Credit Suisse (CS) kämpfte trotz eines Notkredits der Nationalbank mit Liquiditätsproblemen, die global systemrelevante Bank taumelte. Mit der staatlich verfügten Fusion von CS und UBS verhinderten Finanzministerin Karin Keller-Sutter, die Finanzmarktaufsicht (FINMA) und die Nationalbank «unter immensem Druck» eine internationale Finanzkrise, wie die parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) in ihrem Ende 2024 veröffentlichten Bericht festhält.

Die 14-köpfige Kommission unter dem Präsidium der Freiburger Mitte-Ständerätin Isabelle Chassot beschreibt ausführlich, wie die Behörden auf die sich ab Herbst 2022 zuspitzende Lage der Bank reagierten. Sie prüften auch Alternativen zur Notfusion, darunter die bankrechtliche Sanierung, den Konkurs und eine vorübergehende Verstaatlichung der CS. Als sich die Ereignisse im Frühjahr 2023 überschlugen, kam die von den Behörden favorisierte Übernahme durch die UBS zustande, abgesichert durch Milliardengarantien des Bundes. Für die PUK eine «im Grossen und Ganzen» angemessene Lösung, auch wenn ein Risiko für die Steuerzahlenden bestand.

Die Kommission macht klar: Der Beinahe-Kollaps der einst soliden Bank geht auf «jahrelanges Missmanagement des CS-Verwaltungsrates und der CS-Geschäftsleitung» zurück. Der Bericht zeigt, wie CS-Vertreter bis zuletzt mit den Behörden um Konditionen feilschten – das Wort «Pokerspiel» fällt. Doch die PUK untersuchte auftragsgemäss nicht das Verhalten der Bankmanager, sondern die Geschäftsführung der Bundesbehörden. Nicht alle schneiden dabei gut ab.

Kritik an Ueli Maurer

Die PUK sieht Mängel in der Krisenprävention und -früherkennung. Bundesrat und Parlament haben nötige Instrumente der «Too-Big-to-Fail»-Regelung, die nach der UBSRettung 2008 eingeführt wurde, zu zögerlich umgesetzt und kaum weiterentwickelt. Als die CS in Schieflage geriet, informierte der damalige Finanzminister Ueli Maurer das Bundesratskollegium nur unzureichend, eine Krisensitzung sagte er kurzfristig ab. Seiner Nachfolgerin KellerSutter übergab er Ende 2022 kein schriftliches Dossier. Maurer wies die Vorwürfe Anfang 2025 zurück. Es sei darum gegangen, Leaks zu verhindern, die die Bank zusätzlich gefährdet hätten. Die FINMA hatte seit 2015 mehrfach bei der CS interveniert und Verbesserungen gefordert, konnte sich aber laut PUK nicht durchsetzen. Auch ahndete die FINMA Fehlverhalten von CS-Führungskräften nicht, obwohl Verfahren liefen. 2017 gewährte sie der Bank einen «regulatorischen Filter», eine Erleichterung, die das Kapitalpolster grösser erscheinen liess, als es tatsächlich war. Die Nationalbank hatte davon abgeraten.

Mehr Eigenkapital?

Welche Lehren zieht die Politik nun aus der Aufarbeitung, um künftigen Risiken und Folgen für die Allgemeinheit vorzubeugen? Die PUK fordert unter anderem, die FINMA mit Sanktionsmöglichkeiten zu stärken. Allgemein plädiert sie dafür, der Finanzstabilität «mehr Gewicht» zu geben und dabei die «bedeutende Grösse» der fusionierten UBS zu berücksichtigen. Konkret zur Debatte stehen höhere Anforderungen an das Eigenkapital der nunmehr einzigen global operierenden, systemrelevanten Schweizer Bank, damit diese Verluste im Ausland selbst auffangen könnte. Die Massnahme ist umstritten.

Mitte-links-Parteien befürworten sie angesichts der «XXL-Bank» UBS, während Bürgerliche vor der Konsequenz einer möglichen Abwanderung der Bank warnen. UBS-Chef Sergio Ermotti lehnt eine höhere Kapitalisierung ab, was Medien zum Machtkampf mit Finanzministerin Keller-Sutter stilisierten. Wie weit der Bundesrat geht, zeigt sich voraussichtlich bis zum Frühsommer. Zuvor wollte das Parlament im März den PUK-Bericht beraten. Nach zwei dramatischen Rettungsaktionen innerhalb von 15 Jahren streitet die Schweiz erneut über die Regulierung ihrer Banken.

Link zum Bericht der PUK: www.revue.link/cspuk

Mit der Notfusion der beiden Banken gelang es, eine internationale Finanzkrise abzuwenden.

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